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Erfahrungsbericht vom CB-Seminar für Menschen in Liebesbeziehung

Steinkreis in Milow

Milower Steinkreis am Ort des Seminars “Paarzeit Milow”

Vor einigen Monaten fand unser erstes CB Seminar speziell für Menschen in Liebesbeziehungen in Milow statt. Wir wollten Gemeinschaft bilden in einem Kreis von sich jeweils unbekannten sehr engen Beziehungskonstellationen. In diesem Beitrag berichte ich über meine Erfahrungen mit diesem speziellen Versuch des Community Building.

Dem Seminar für Menschen in Liebesbeziehungen gingen Beobachtungen von uns voraus. Wir haben fest gestellt, dass viele „Paare“ ihre Beziehungsthemen aus ihre Wohn-, Lebens-, Arbeits oder CB-Gruppe heraus halten. Vermutlich einerseits um die Gruppe nicht mit ihrer Angst (sich zuzumuten) zu „belasten“, und andererseits aus einem stillschweigendem Commitment heraus: „Darüber reden wir hier nicht“.

Nun ist Paarbildung in Gemeinschaftsbildungsseminaren tatsächlich ein schwieriges Thema. Scott Peck beschreibt Paarbildung neben Flucht in die Organisation, Kampf und Abhängigkeit, als einen Aufgaben-Vermeidungsmechanismus von Gruppen. (siehe auch diesen Blogbeitrag von Stefan)

Wenn sich einige Menschen im CB-Prozess verbünden und z.B. aktuelle Gefühle, Beschwerden nur miteinander teilen, dann verhindert dies ein Zusammenkommen der Gesamtgruppe. Dieses Phänomen ist meiner Meinung nach nicht nur eine Schwierigkeit von Menschen, die sich im gemeinschaftsbildenden Rahmen begegnen, sondern generell von bestehenden Gruppen und/oder intentionalen Gemeinschaften.Man könnte sagen, dass es ganz normal sei, dass sich Menschen mehr oder weniger aufeinander beziehen. Aber was bedeutet das letztlich für Gruppen oder Kollektive?

Kommunikationsempfehlung - Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus

Eine Kommunikationsempfehlung des CB-Prozesses.

In diesem Kontext spielt die Kommunikationsempfehlung „Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus!“ eine große Rolle. Liebesbeziehungen, ob sehr enge Freundschaften, Paare oder andere Konstellationen – laden einerseits dazu ein sich ausserhalb der Gruppe über Belange der Gruppe zu entleeren und andererseits Beziehungsthemen „für sich“ zu behalten. An dieser Stelle gehen Gruppen wertvolle Impulse verloren. Auch die so eng verwobenen Menschen bringen sich damit um das Wissen der Gemeinschaft. Und sie verwerfen die Möglichkeit, hilfreiche Spiegel zu bekommen oder sich in einem Kreis von mehreren Menschen zu entladen und damit auch die Beziehung zu entlasten.

Mit dem neuen Format „CB für Menschen in Liebesbeziehung“ woll(t)en wir das Thema „Paare und Gruppe“ setzten und auf die Spitze treiben.

Wir wissen aus unserer Beziehungserfahrung, wie hilfreich es sein kann mit den “Paarthemen” im Kreis präsent zu sein und wie sehr sich unser Kommunikationsverhalten geändert hat, seit wir zusammen CB machen (oftmals auch zu zweit).

Das Seminar im November unterschied sich von den bisherigen CB-Seminaren. Der Rahmen war schnell sehr intim, es wurde viel geschwiegen. Alle waren mit ihren Beziehungsthemen präsent. Und es wurde deutlich, dass das offene Aussprechen und Ausdrücken dieser Themen viel Kraft kostete, gerade in einem offenen Prozess wie CB. Die Zeit und der Mut Einzelner öffnete schließlich den Raum. Die Paarthemen (Nähe, Kommuikation, Sexualität etc.) standen im Vordergrund und zunächst spielten sich die Paare jeweils die Bälle zu. Es dauerte lange, bis sich die Teilnehmer_innen trauten, ihre Irritationen mit den anderen Paaren oder Personen auszudrücken. Die eigene Liebesbeziehung nahm viel Raum ein.

Für die Paare schien es sehr wertvoll zu sein, sich viel Zeit zu nehmen, beieinander anzukommen, von sich zu sprechen versuchen, ehrlich zu sein. Es gab unglaublich berührende und erschütternde Momente – ein Sichtbarwerden, Hinschauen und Fallen lassen.

Es bestätigte sich die Herausforderung, sich als Paar in der Gruppe zu bewegen, andere in den intimen Kreis hineinzulassen, als Gemeinschaft zueinander zu finden. Auch für uns als BegleiterInnen stellte sich die Frage, ob dieser spezielle Rahmen andere Begleitung erfordert. Vielleicht eine stärkere Aufforderung zum Chaos in der ganzen Gruppe?

Deutlich wurde, wie viele Menschen Beziehungen und Beziehungsgrenzen heiligen. Und wie tief es in uns liegt, dass Beziehungen “Privat-” Sache sind. Hier leidet jeder für sich allein – oder eben zu zweit. Das es von außen viel zu sagen gibt, das wir viel voneinander lernen können, das Gruppen Beziehungsysteme erleichtern – ist bei einigen Menschen schon im Kopf angekommen, bei den wenigsten im Gefühl und im Handeln.

Die schönschwierige Erfahrung dieses CB Prozesses hielt für viele – auch für uns BegleiterInnen – sehr viel zum Lernen bereit. Ich bin motiviert dieses Raum noch oft zu öffnen und freue mich auf weitere gemeinschaftsbildende Erfahrungen.

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Neu in 2015: kostenfreie CB-Taster im SEKIZ

SEKIZ Logo, Copyright liegt beim SEKIZ.Wir wollen CB bekannter machen und würden uns freuen, wenn in Potsdam weitere CB Gruppen entstehen würden. Darum bieten wir im Jahr 2015 jeden ersten Montag im Monat  von 19-22 Uhr einen kostenfreien CB-Taster im Potsdamer Selbsthilfe und Informationszentrum (SEKIZ) an. Wir werden erst kurz etwas zum Ansatz CB erzählen und dann praktisch CB ausprobieren.

Wir hoffen durch das Angebot an einem Ort wie dem SEKIZ Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters zu erreichen.

Wir freuen uns auf interessierte, neugierige Menschen.

Wir beginnen, wenn sich mindestens 6 Menschen angemeldet haben.

Anmeldung bitte per E-Mail oder per Telefon.

 

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Ursprünge von Scott Pecks Community Building

Der amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Morgan Scott Peck hat vor über 30 Jahren den Ansatz Community Building entwickelt. Um CB zu erforschen und zu verbreiten, gründete er 1984 den FCE (The Foundation for Community Encouragement). In Deutschland wurde erst im neuen Jahrtausend das Netzwerk Community Building gegründet.

Zu dem Ursprung zurück: Welche Einflüsse wirkten auf Peck? In welchem Verhältnis steht CB zu anderen Ansätzen? Diese Frage finde ich sehr spannend. Denn sie könnte auch zeigen, an welchen Stellen CB Kind seiner Zeit und dementsprechend heute verändert oder erweitert werden sollte.

Einführend habe ich einige historische Schlaglichter auf die 60er bis in die 90ern bei Matthias zur Bonsen und Hans Jecklin gefunden:

In welchem Verhältnis steht Community Building zu anderen Ansätzen und Methoden? Schon seit Jahrzehnten wird schliesslich die Dynamik von Gruppen untersucht. In den fünfziger und sechziger Jahren sind die T-Groups des amerikanischen NTL (National Training Laboratories) und die Tavistock Groups des gleichnamigen Instituts in England auf viel Interesse gestossen. Es waren Vorahnungen dessen, was als Community Building viel später folgen sollte. Denn das Element der authentischen Kommunikation war teilweise auch bei ihnen vorhanden. Diese Methoden zielten allerdings nicht darauf ab, Gemeinschaft wie hier beschrieben, entstehen zu lassen. Weder der konzeptionelle Rahmen noch das methodische Rüstzeug waren damals vorhanden. Manchmal entstand allerdings Gemeinschaft auch in diesen Gruppen. Nicht selten bleib es jedoch bei Chaos und einer insgesamt unerfreulichen Erfahrung für die Teilnehmer. Kein Wunder, dass das Interesse abflaute. In die Realität von Unternehmen haben T- und Tavistock Groups nie in nennenswertem Umfang gefunden.

Mitte der Sechziger Jahre fasste Bruce Tuckman (4 ) seine Forschungen und die Erkenntnisse anderer in ein Phasenmodell zusammen: Forming, Storming, Norming und Performing sah er als die Stufen, die eine Gruppe auf der Leiter zu ihrer Leistungsfähigkeit erklettert. Sein Modell hat eine ganze Generation von Teamentwicklern beeinflusst. Forming und Storming haben unverkennbare Ähnlichkeiten mit Pseudogemeinschaft und Chaos. In der Phase des Norming wird (neben anderem) Feedback gegeben und werden Spielregeln vereinbart. Doch auch das ist nicht der Prozess des Leer-werdens, den es braucht, um Gemeinschaft wachsen zu lassen.

Als sich zu Beginn der Achtziger Jahre in den USA unter dem Eindruck des Paradigmenwechsels zu einem systemisch-evolutionären und ganzheitlich-spirituellen Weltbild die Organization Transformation-Bewegung zu formieren begann, entstanden auch neue Visionen davon, was ein Team und eine Organisation im besten Fall sein könnte. Die Methoden dazu fehlten zwar noch, doch was Peter Vaill (5) als High-Performing System beschrieb und andere (6) als Alignment und Attunement, enthält auch Gemeinschaft, wie sie in diesem Artikel verstanden wird.

Gegen Ende der Achtziger Jahre ist dann auch auf der methodischen Seite etwas geschehen, das interessante Parallelen zu Community Building aufweist. David Bohm, weltbekannter Quantenphysiker und Vordenker des holographischen Universums, entwickelte den Dialog. (7) Dialog strebt nicht den Aufbau von Gemeinschaft in der tiefen Form, so wie sie hier verstanden wird, an. Vielmehr geht es hier primär darum, einer Gruppe von Menschen, die unterschiedlichen Meinungen, Annahmen und vielleicht Weltsichten verhaftet sind, zu helfen, voneinander zu lernen und die Kreativität und Intelligenz der ganzen Gruppe zu steigern. Typischerweise würde eine solche Gruppe miteinander in Diskussion und nicht in Dialog treten. Das heisst, die Meinungen würden aufeinanderprallen, die Gemüter sich vielleicht sogar erhitzen, doch eine gegenseitige Bereicherung fände nicht statt. Der Schlüssel zu Dialog heisst “die eigenen Annahmen und Meinungen suspendieren”, also zeitweilig ausser Kraft setzen. Dann verteidigt man diese nicht mehr und hört andere Meinungen, ohne sie gleich zu beurteilen. Die Ähnlichkeiten zum Stadium des Leer-werdens beim Community Building sind unübersehbar. Nur dass ein noch umfassenderes Leer-werden verlangt wird, wenn Gemeinschaft entstehen soll. Im Prozess des Community Building sprechen die Menschen über sich selbst, beim Dialog kann es auch um eine Sache gehen. Nun, über “Sachen” – und möglicherweise sehr konfliktäre – muss auch jede Gemeinschaft sprechen, die eine gemeinsame Aufgabe hat. Und dann ist Dialog mit seiner Intensität des Zuhörens und des Ernstnehmens anderer Meinungen zweifelsohne der richtige Gesprächsmodus.

Der ganze Artikel: http://www.all-in-one-spirit.de/lit/cb/cb01.htm

Jener Beitrag ist von zwei Menschen geschrieben, die CB in Unternehmen brachten. Dieses Unterfangen finde ich spannend aber auch sehr kritisch.

In einem späteren Beitrag werde ich die Ursprünge von CB sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Ansätzen weiter untersuchen.

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Wandlungen zu Neujahr – Das Ende der Verliebtheitsphase

Bis Ende 2014 begrüßten wir die Besucher_innen unserer Internetseite mit folgendem Satz:

CB ist für uns das Werkzeug, um selbstbestimmt gelungene Kommunikation in der Gruppe zu erlernen und tiefe, nachhaltige Beziehungsfähigkeit zu entwickeln.

Heute haben wir es geändert in:

CB ist für uns ein starkes Werkzeug, um selbstbestimmt gelungene Kommunikation in der Gruppe zu erlernen und tiefe, nachhaltige Beziehungsfähigkeit zu entwickeln.

Warum? Ich glaube, Beriahs Beziehung zu dem Ansatz Community Building kann mit mit einer Liebesbeziehung verglichen werden. Und nun sind wir raus aus der Verliebtheitsphase. Die Grenzen und Schwächen treten deutlicher zu Tage; die Vorteile und Stärken kristallisieren sich klarer heraus.

Wir halten CB weiterhin für ein sehr guten Ansatz, wollen uns aber verstärkt auf die Suche nach möglichen Kombinationen mit anderen Methoden machen. Dabei suchen wir nach verschiedenen Ansätzen, die Gruppen in unterschiedlichen Herausforderungen unterstützen. Ein Beispiel wäre die Kombination aus CB und DragonDreaming für Gruppen, die Projekte miteinander erträumen, planen und durchführen wollen. Einen anderen Fokus legen wir auf die Kombination von Methoden, die die gesellschaftliche Ebene inklusive ihrer Unterdrückungsverhältnissen und Diskriminierungsmechanismen stärker berücksichtigen, so zum Beispiel das Theater der Unterdrückten von Augusto Boal. Weiterhin interessieren uns Ansätze, die den Leib und Bewegung stärker integrieren.

Ein zweiseitiges Schwert

Durch die Markierung der Schwächen werden die Stärken sichtbarer – so ist auch für uns mit CB. Der Focus auf die emotionale Kommunikation in der Gruppe und das eigene innere Erleben, in Kombination mit einer sehr zurückhaltenden Begleitung, birgt die große Möglichkeit für selbstbestimmtes, nachhaltiges Wachstum des Einzelnen und der Gruppe. Selbstsorge wird praktisch erlernt und verständnisvolles, ehrliches Gruppenleben erlebt. Dieser Prozess wiederum fördert ein effizientes Arbeiten an Aufgaben der Gruppe. Im CB-Prozess ist jedoch methodisch kein adäquates Mittel angelegt, um die Rolle, den Spielraum und Möglichkeiten des Einzelnen oder der Gruppe in Gesellschaft aufzuzeigen oder zu diskutieren. Ebenso gibt es innerhalb von CB keinen Rahmen für strukturierten Wissensaustausch. Diese Ansprüche kann CB nicht erfüllen. Hier haben wir Lust, nach Kopplungen oder gänzlich anderen Ansätzen zu forschen.

 

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Terminänderungen bei den offenen Seminaren

Wir verschieben derzeit unseren Focus von der Seminararbeit zur Projektarbeit. Daher haben wir die Termine für die offenen Seminare verändert.

Wir sehen großes Potential in dem Projekt Community Building in der JVA und die Kombination von CB mit anderen Ansätzen, z.b. dem Theater der Unterdrückten. Für diese Kopplung sind wir in Austausch getreten mit verschiedenen Theaterpädagog_innen, Schauspieler_innen und Regisseur_innen.

Ein weiterer Schwerpunkt bildet unser Projekt “CB in intentionalen Gemeinschaften“.

Hinzugekommen ist unser Angebot als  Prozessbegleiter_innen.  Wir begleiten und moderieren Ihre Gruppenprozesse. Wir organisieren Seminare in Absprache mit Ihnen und führen sie bei Ihnen oder an einem neutralen Ort durch.

Mehr Informationen dazu hier.

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Literatur zu Community Building

Scott Peck - GemeinschaftsbildungIn diesem Beitrag werde ich, Text um Text, Werk für Werk, Literatur zu Community Building zusammen stellen. Ich habe Lust, zu diesen Texten begleitende Einführungen oder Rezensionen zu schreiben. Bisher habe ich nicht alle aufgeführten Titel gelesen, manchen stehe ich nach erstem Überlesen auch kritisch gegenüber. Wenn Sie interessante Literatur zu Community Building kennen, senden Sie mir sie bitte.

Literatur von Scott Peck

  • Peck, M. Scott: Gemeinschaftsbildung. Der Weg zu authentischer Gemeinschaft. Bandau 2007.
  • Peck, M. Scott: Eine neue Ethik braucht die Welt. München 1995.
  • Peck, M. Scott: The Different Drum. Community Making and Peace: A Spiritual Journey Toward Self-Acceptance, True Belonging and New Hope for the World. New York 1987.

CB im Kontext Gefängnis

  • Roberts, Robert E.: My Soul said to Me. Un Unlikely Journey Behind the Walls of Justice. Deerfield Beach, FL 2003.

CB im Kontext Wirtschaft

  • Bonsen, Matthias zur u. Jecklin, Hans: Community Building. In: Agogik 4/1998, S. 25 – 42.
  • Borei, Jeanne: Chaos to Community: One Company’s Journey of Transformation. In: Barrentine, Pat u.a. (Hg.): When the Canary Stops Singing. Women’s Perspectives on Transforming Business. San Francisco CA 1994.
  • Gozdz, Kazimierz (Hg.): Community Building – Renewing Spirit & Learning in Business. San Francisco 1995.
  • Shadel, Doug u. Thatcher, Bill: The Power of Acceptance. Building Meaningful Relationships in a Judgemental World. Newcastle 1997.
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Grenzen von Community Building

"Ohne Titel” von Yves,  lizensiert unter CC BY-NC-SA 4.0.

“Ohne Titel” von Yves, lizensiert unter CC BY-NC-SA 4.0.

Von einem Mitbewohner wurde mir vor kurzem vorgeworfen, dass wir auf unserer Internetseite zu wenig auf die Grenzen und Schwächen von Community Building eingehen. Ihm habe sich der Eindruck aufgedrängt, dass CB ein Allheilmittel oder schärfer: „die eierlegende Wollmilchsau“ unter den Methoden der Einzel- und Gruppenarbeit sei. Mir ist wichtig, transparent zu arbeiten und CB realistisch vorzustellen. Daher habe ich die Kritik zum Anlass genommen, im folgenden Beitrag Grenzen und Voraussetzungen oder anders: Stärken und Schwächen von Community Building zu beleuchten. Weiterlesen

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Erfahrungsbericht von Katharina

Nach einem gemeinsamen CB-Wochenende hielt Katharina ihre Erfahrungen und Erwartungen für uns fest:

„Reden über das, wie es mir in genau diesem Moment geht, stellte ich mir sehr einfach vor. Ein Wochenende lang mich selbst zum Thema machen – Phantastisch!, rief die Rampensau in mir.

Ich hatte keine Ahnung, dass es so schwer werden würde. Einschlafen, in Gedanken abschweifen, taub werdende Gliedmaßen, Tiere vor dem Panoramafenster… Es gab unendliche Möglichkeiten, sich dem Chaos zu entziehen, das anfangs herrschte und mich hoffnungslos stimmte, ob „Gemeinschaftsbildung“ überhaupt gemeinschaftsbildend sei. Denn: es kamen zwangsläufig Themen auf den Tisch, die Probleme verursachten. Wenn nicht bei mir, dann bei einem anderen. Und das oder das daran Anknüpfende MUSSTE mich irgendwann berühren. So läuft das: Du hast keine Chance, Dich zu entziehen.

Nach dem zweiten Block brauchte es von mir eine bewusste Entscheidung, weiter Teil zu nehmen, denn die Runde war zäh, quälend und konfrontativ. Nicht zum Aushalten und ganz weit entfernt von Nähe. Ich nahm Partei, ärgerte und schämte mich, erinnerte mich an längst vergessene Ängste. Noch immer weiß ich nicht, was zwischen uns passiert ist, wie sich alles wie von selbst wieder ordnete. Stunde um Stunde haben wir auf einander reagiert und Bezug genommen, haben gegenseitig persönliche Themen berührt, waren wütend und traurig über uns selbst oder die anderen. Haben uns tief blicken lassen. Fühlten uns nah und unendlich weit weg. Und immer wieder die Erkenntnis: es sind nicht die anderen, die meine Gefühle verursachen. Sie holen nur an die Oberfläche, was in mir schon verborgen lag.

Ein Teil von mir möchte den Erfolg dieses Wochenendes gerne an irgendeiner Theorie von Gemeinschaftsgefühlen messen und ein Siegel vergeben. Aber das wahre Leben kennt keine Siegel. Und genau so war’s: Ich habe geübt, mich zu spüren und zu zeigen. Ich habe geübt, andere zu spüren und zu sehen. Über die Nähe zu ihnen kam ich näher zu mir. Ich habe sie lieb gewonnen. Und das ist viel mehr, als die Rampensau erwartet hatte.“

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Ein Rabbi hat sich im Wald verirrt

Beriah Wald

“Ohne Titel” von Yves, lizensiert unter CC BY-NC-SA 4.0.

Auszug aus dem Buch Gemeinschaftsbildung. Der Weg zu authentischer Gemeinschaft von Scott Peck (Bandau 2007).

“Ein Rabbi hatte sich im Wald verirrt. Drei Monate lang suchte er, ohne seinen Weg aus dem Wald herauszufinden. Endlich stieß er eines Tages auf eine Gruppe von seiner Synagoge, die sich auch im Wald verirrt hatte. Überfroh riefen sie ihm zu: ‘Rabbi, wie wunderbar, dass wir dich gefunden haben. Jetzt kannst du uns aus dem Wald herausführen’. ‘Es tut mir leid, ich kann das nicht’, antwortete der Rabbi, ‘denn ich habe mich genauso verirrt wie ihr. Weil ich aber mehr Erfahrung habe im Verirrtsein, kann ich euch 1000 Wege sagen, wie ihr nicht aus dem Wald herauskommen könnt. Mit dieser armseligen Hilfe finden wir vielleicht, wenn wir zusammenarbeiten, unseren Weg zusammen.”

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Jenseits von Vernunft und Mythos, Rationalität und Spiritualität

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“Ohne Titel” von Stefan Leisner, lizensiert unter CC BY-NC-ND 4.0.

In unserer Arbeit und in unseren Texten, in Werk und Schrift, bewegen wir uns auf zwei Pfaden. Vernunft und Mythos, Rationalität und Spiritualität.

Gemeinschaftsbildung ist einerseits erklärbar und planbar, andererseits eine Gabe, ein Abenteuer und Wunder. Wozu dient Community Building dem Menschen? Wir sagen einerseits: Kommunikationskompetenz für Gruppe und Individuum – andererseits sprechen wir von Heilung, Liebe und Frieden.

Warum entscheiden wir uns nicht in der Beschreibung?

Die Grenzen der Vernunft und die Gefahren des Mythos sind seit Langem bekannt. Nur das jeweils eine genügt uns nicht, für eines wollen wir uns nicht entscheiden. Um das ganze Leben, den ganzen Menschen begreifen und lieben zu können, braucht es unserer Meinung nach Dichtung und Philosophie, Aufklärung und Romantik, systematisches Denken der Vernunft als auch Mythos und Spiritualität.

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben findet in der Spaltung zwischen Poesie und Philosophie in der westlichen Tradition seit Plato ein Zeugnis der Unmöglichkeit, den Gegenstand der Erkenntnis voll und ganz zu besitzen.

Er geht davon aus, dass Erkenntnis in der westlichen Tradition in einen “rational-bewußten Pol” und einen “ekstatisch-inspirierten” gespalten sei – folgend der Warburgschen Diagnose der Schizophrenie des abendländischen Menschen. Agamben sucht seit über dreißig Jahren nach Beispielen einer anderen Erkenntnis, nach Beispielen kommenden Denkens und der kommenden Gemeinschaft.

Wir fragen auch: Was wäre sichtbar, greifbar, ahnbar, wenn wir mit der Spaltung zwischen dichterischem und denkendem Wort anders umgingen?

Um die Phase des Chaos in der Gemeinschaftsbildung zu verlassen, braucht es das Loslassen, die Aufgabe der Kontrolle, den Tod des Bisherigen. Erst dann wird der Weg frei in die authentische Gemeinschaft. Jene zu begreifen mit den Worten der Vernunft, muss genauso scheitern, wie jene zu verstehen in den Worten der Liebe.

Daher reisen wir auf beiden Pfaden – und erproben neue Wege.

 

Literatur für Interessierte

  • Agamben, Giorgio: Stanzen. Das Wort und das Phantasma in der abendländischen Kultur. Zürich-Berlin 2005.
  • Agamben, Giorgio: Die kommende Gemeinschaft. Merve, Berlin 2003.
  • Baumann, Zygmunt: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Hamburg 1992.
  • Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main 1969.
  • Plessner, Helmuth: Grenzen der Gemeinschaft. Frankfurt am Main 2002.
  • Rosa, Hartmut / Gertenbach, Lars  / Laux, Henning u.a.: Theorien der Gemeinschaft zur Einführung. Hamburg 2010.