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Jenseits von Vernunft und Mythos, Rationalität und Spiritualität

Pfad_Stefan_Leisner

„Ohne Titel“ von Stefan Leisner, lizensiert unter CC BY-NC-ND 4.0.

In unserer Arbeit und in unseren Texten, in Werk und Schrift, bewegen wir uns auf zwei Pfaden. Vernunft und Mythos, Rationalität und Spiritualität.

Gemeinschaftsbildung ist einerseits erklärbar und planbar, andererseits eine Gabe, ein Abenteuer und Wunder. Wozu dient Community Building dem Menschen? Wir sagen einerseits: Kommunikationskompetenz für Gruppe und Individuum – andererseits sprechen wir von Heilung, Liebe und Frieden.

Warum entscheiden wir uns nicht in der Beschreibung?

Die Grenzen der Vernunft und die Gefahren des Mythos sind seit Langem bekannt. Nur das jeweils eine genügt uns nicht, für eines wollen wir uns nicht entscheiden. Um das ganze Leben, den ganzen Menschen begreifen und lieben zu können, braucht es unserer Meinung nach Dichtung und Philosophie, Aufklärung und Romantik, systematisches Denken der Vernunft als auch Mythos und Spiritualität.

Der italienische Philosoph Giorgio Agamben findet in der Spaltung zwischen Poesie und Philosophie in der westlichen Tradition seit Plato ein Zeugnis der Unmöglichkeit, den Gegenstand der Erkenntnis voll und ganz zu besitzen.

Er geht davon aus, dass Erkenntnis in der westlichen Tradition in einen „rational-bewußten Pol“ und einen „ekstatisch-inspirierten“ gespalten sei – folgend der Warburgschen Diagnose der Schizophrenie des abendländischen Menschen. Agamben sucht seit über dreißig Jahren nach Beispielen einer anderen Erkenntnis, nach Beispielen kommenden Denkens und der kommenden Gemeinschaft.

Wir fragen auch: Was wäre sichtbar, greifbar, ahnbar, wenn wir mit der Spaltung zwischen dichterischem und denkendem Wort anders umgingen?

Um die Phase des Chaos in der Gemeinschaftsbildung zu verlassen, braucht es das Loslassen, die Aufgabe der Kontrolle, den Tod des Bisherigen. Erst dann wird der Weg frei in die authentische Gemeinschaft. Jene zu begreifen mit den Worten der Vernunft, muss genauso scheitern, wie jene zu verstehen in den Worten der Liebe.

Daher reisen wir auf beiden Pfaden – und erproben neue Wege.

 

Literatur für Interessierte

  • Agamben, Giorgio: Stanzen. Das Wort und das Phantasma in der abendländischen Kultur. Zürich-Berlin 2005.
  • Agamben, Giorgio: Die kommende Gemeinschaft. Merve, Berlin 2003.
  • Baumann, Zygmunt: Dialektik der Ordnung. Die Moderne und der Holocaust. Hamburg 1992.
  • Horkheimer, Max und Adorno, Theodor W.: Dialektik der Aufklärung. Frankfurt am Main 1969.
  • Plessner, Helmuth: Grenzen der Gemeinschaft. Frankfurt am Main 2002.
  • Rosa, Hartmut / Gertenbach, Lars  / Laux, Henning u.a.: Theorien der Gemeinschaft zur Einführung. Hamburg 2010.