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Ein Rabbi hat sich im Wald verirrt

Beriah Wald

„Ohne Titel“ von Yves, lizensiert unter CC BY-NC-SA 4.0.

Auszug aus dem Buch Gemeinschaftsbildung. Der Weg zu authentischer Gemeinschaft von Scott Peck (Bandau 2007).

„Ein Rabbi hatte sich im Wald verirrt. Drei Monate lang suchte er, ohne seinen Weg aus dem Wald herauszufinden. Endlich stieß er eines Tages auf eine Gruppe von seiner Synagoge, die sich auch im Wald verirrt hatte. Überfroh riefen sie ihm zu: ‚Rabbi, wie wunderbar, dass wir dich gefunden haben. Jetzt kannst du uns aus dem Wald herausführen‘. ‚Es tut mir leid, ich kann das nicht‘, antwortete der Rabbi, ‚denn ich habe mich genauso verirrt wie ihr. Weil ich aber mehr Erfahrung habe im Verirrtsein, kann ich euch 1000 Wege sagen, wie ihr nicht aus dem Wald herauskommen könnt. Mit dieser armseligen Hilfe finden wir vielleicht, wenn wir zusammenarbeiten, unseren Weg zusammen.“

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Der Abgrund der eigenen Einsamkeit – Bataille und Gemeinschaft

Beriah_Fluss

„Ohne Titel“ von Yves,  lizensiert unter CC BY-NC-SA 4.0.

In diesem Beitrag schildere und ergänze ich meine Erfahrungen zu Gemeinschaft und Community Building mit den Ideen des französischen Philosophen Georges Bataille (1897-1962). Das Lesen von Bataille war für mich neuartig, aufregend, inspirierend und ich habe Lust, dies zu teilen. Im Folgenden werde ich mich folgenden Fragen zur Gemeinschaft widmen:

  • Wo endet die Erkenntnis des Einzelnen? Welche Rolle spielt die Akzeptanz des Nichtwissens.
  • Mit welcher Brille schaue ich auf die Welt? Welche Zugangsstörungen liegen zwischen Mir und den Anderen? Wen schließe ich ein und wen schließe ich aus?
  • Was ist der Unterschied zwischen starker Kommunikation und schwacher Kommunikation?
  • Gibt es jenseits der „Immunisierungstendenz“, dem individuellen und kollektiven Panzern und Rüsten Alternativen? Was versteht Bataille unter „energetische Überladung“?
  • Ist es unmöglich, der Einsamkeit zu entfliehen? Was versteht Bataille unter Gemeinschaft? Wie kann ich mich mit anderen Menschen verbinden?

Ich fand einen guten Einstieg zu Batailles Ideen zu Gemeinschaft in Roberto Espositos Schrift Communitas. Ursprung und Wege der Gemeinschaft. Ich werde im Folgenden Teile aus dieser Schrift vorstellen und mich dann den gerade genannten Fragen widmen. Weiterlesen

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Die 4 Phasen der Gemeinschaftsbildung nach Scott Peck

GemeinschaftsbildungAuszug aus dem Buch Eine neue Ethik für die Welt von Scott Peck (München 1995) über die 4 Phasen der Gemeinschaftsbildung.

„Das verbreitetste Anfangsstadium und einzige Stadium vieler Gemeinschaften, Gruppen und Organisationen ist das der Pseudogemeinschaft, ein Stadium der Vortäuschung und des Scheins. Die Gruppe tut so, als sei sie bereits eine Gemeinschaft, als gäbe es unter den Gruppenmitgliedern nur oberflächliche, individuelle Differenzen und kein Grund für Konflikte. Zur Aufrechterhaltung dieser Vortäuschung bedient man sich vor allem einer Anzahl unausgesprochener allgemeingültiger Verhaltensregeln, Manieren genannt: Wir sollen unser Bestes tun, um nichts zu sagen, was einen anderen Menschen verstören oder anfeinden könnte; wenn jemand anderes etwas sagt, das uns beleidigt oder schmerzliche Gefühle oder Erinnerungen in uns weckt, dann sollen wir so tun, als mache es uns nicht das geringste aus; und wenn Meinungsverschiedenheiten oder andere unangenehme Dinge auftauchen, dann sollten wir sofort das Thema wechseln. Jede gute Gastgeberin kennt diese Regeln. Sie mögen den reibungslosen Ablauf einer Dinnerparty ermöglichen, aber mehr auch nicht. Die Kommunikation in der Pseudogemeinschaft läuft über Verallgemeinerungen ab. Sie ist höflich, unauthentisch, langweilig, steril und unproduktiv. Weiterlesen