CB in der JVA

Weil wir CB als eine sehr nachhaltige Form des sozialen Lernens erachten, ist es uns wichtig, diesen Weg mit möglichst vielen Menschen zu beschreiten – auch mit denen, die strukturell benachteiligt sind.

Die meisten straffällig gewordenen Menschen kommen aus sozialen Kontexten, die  ihre Bedürfnisse nach Vertrauen, Gemeinschaft, Verbundenheit, Sicherheit und Liebe nur in einem sehr geringen Maße erfüllen konnten. Destruktive Verhaltensstrategien sind eine Folge davon, aber auch der Verlust der Wahrnehmung für die eigenen Grenzen und schließlich auch der Grenzen anderer. Vielen Menschen mangelt es an der Erfahrung gehört zu werden, ohne zu schreien, und auch an der Möglichkeit zuzuhören. Das Unvermögen, mit Scham und Beschämung umzugehen, kehrt sich in aggressive Gewalt, die zum Ersatz wird für den Wunsch Respekt zu erfahren, auch Scham-Wut-Zyklus genannt (vgl. Kersten, 2009). Wenige kennen das Gefühl „Hier bin ich sicher. Hier kann ich sein, ohne mich ständig auf der Hut zu fühlen.“

An diese negativen Erfahrung  knüpfen wir mit Community Building als einer breit aufgestellten Form des Gruppenprozesses an. Es entsteht ein Raum, in  dem Menschen, die aus gebrochenen Gemeinschaften kommen, Nähe, Zugehörigkeit und Respekt erfahren können, in dem sie den Mut finden, sich mit ihren eigenen Verletzungen und Wunden zu zeigen.

Unsere Arbeit in Justizvollzugsanstalten soll auch Teil einer Forschungsreihe sein, in der wir untersuchen, was CB in unterschiedlichen Kontexten und verschiedenen Formaten leisten kann.

Der Versuch, mit Gefängnisinsassen in einen CB-Prozess zu gehen, ist in Deutschland nach unserem Wissen noch nicht gemacht worden. Die Idee ist jedoch nicht neu. Community Building nach Scott Peck in Gefängnissen und mit entlassenen Insassen wurde in den 90er Jahren vor allem von Bob Roberts in den USA erforscht (siehe Literatur). Nach 2000 gab es auch in Großbritannien den Versuch, CB mit straffällig geworden jungen Erwachsenen und Mitgliedern der lokalen Gemeinschaft zu organisieren.