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Erfahrungsbericht des Leitungsteams der HU-MA Pflege GmbH

Im September 2017 begleiteten Brigitte Höper und ich das Leitungsteam der HU-MA Pflege GmbH mit einem Community Building Seminar über drei Tage.

Ich freue mich, ihren Erfahrungsbericht hier zitieren zu dürfen:

Als Team, das gut strukturiert und kommunikativ miteinander arbeitet, machten wir uns auf die Reise. Unser Wunsch bestand darin, zukünftig noch besser miteinander kommunizieren, unsere Potentiale zu sehen, zu entfalten und uns als Gemeinschaft zu stärken.
Zu diesem Zeitpunkt wussten wir nicht, dass wir noch keine authentische Gemeinschaft waren. Unter „Community Building“ konnte sich auch niemand wirklich etwas vorstellen. Zwischen neugieriger Spannung und Vorbehalten wagten wir uns in ein unbekanntes Abenteuer.
Und dann saßen wir da mit einem Regelwerk an Empfehlungen, die unseren persönlichen Prozess umrahmten. Wir warteten auf den Startschuss, um eine uns erteilte Aufgabe zu erfüllen, so wie wir es gewohnt waren. Aber wir waren bereits mittendrin – mittendrin im Prozess, der sich auf das Hier und Jetzt konzentriert. Der tiefe Gefühle und Gedanken freisetzt, Raum schafft für intensives Zuwenden. „Er hat in mir selbst etwas ausgelöst. Jeder Einzelne ist auch nochmal in sich gegangen, hat sich selbst entwickeln können.“ (R.)
Hierarchische Grenzen und emotionale Blockaden verschwanden, wie es in keiner Kaffeepause möglich ist. „Das hat für mich wirklich funktioniert: eine Gemeinschaft zu bilden. Indem wir auch viel von uns preisgaben und man dadurch den Anderen besser kennengelernt hat, mit seinen Schwächen, Ängsten und Gefühlen.“ (J.)
Achtsam und tiefblickend lernten wir uns neu kennen. „Man sieht sich bei der Arbeit und kennt zwar ein paar Eckdaten aus dem Privatleben, aber nichts aus dem tiefsten Inneren. Ich finde das bringt einen wirklich näher.“ (J.) Wie wir miteinander umgehen und kommunizieren, unsere eigenen Belange oder Ängste vortragen, was uns selbst und die anderen im Arbeitsalltag stark macht, nehmen wir als Erkenntnis mit. „Ich habe das Gefühl, dass wir alle ein unsichtbares Band in der Hand haben, das wir alle festhalten, dass wir weiterarbeiten müssen, damit keiner das Band loslässt und wir niemanden aus der Gruppe verlieren (…) – und darauf freue ich mich.“ (D.)
Ein buntes Band halten wir da, weil jeder Einzelne in der Gruppe besonders ist und wir mit diesen Besonderheiten, wenn sie Platz haben viel gemeinsam erreichen können. „Ich weiß für mich, dass es eine Methode ist mit der man etwas erreichen kann. (…) den Weg damit weiter zu gehen, ist für mich gut.“ (K.) „Dieser Prozess und wir sind erst am Anfang. Es geht noch weiter.“ (R.)
Wir sind auf dem Weg eine authentische Gemeinschaft zu werden – ein gutes, warmes Gefühl.

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Impuls: Flüchtige Gemeinschaft

20151017_125913Meiner Meinung nach ist Gemeinschaft ein umkämpfter Begriff und wird an Tausend Stellen genutzt, beschworen, instrumentalisiert und missbraucht. Er schillert und ich kann es gut nachvollziehen. Denn auch ich habe in dieser flüchtigen hochkomplexen Moderne ein starkes Bedürfnis nach Aufgehoben sein, nach Begrenztheit und Wärme. In dem Moment, wo aus einer (Langzeit-)Gruppe sprachlich eine Gemeinschaft wird, droht sich jedoch ein Bild zu verfestigen: das Bild einer ständigen Gemeinschaft. Das ist meiner Meinung nach nicht einzuholen und zum Scheitern verurteilt. Wie mir scheint, ist Gemeinschaft flüchtig – nur in bestimmten Situationen für den Einzelnen und die Gruppe fühlbar. In Arbeitseinsätzen, auf Parties und beim gemeinsamen Essen, in Notsituationen oder in einem Raum der emotionalen Tiefe. Und danach – schwindet die Verbindung, das tiefe Verbundensein wieder. Und wenn dann der Einzelne und die Gruppe nicht die Gruppenseele pflegt/pflegen, also soziale Räume öffnet, dann vergeht sie.

Ich habe gute Erfahrung mit jenen Räumen gemacht, die (durch Formen von Kreiskultur) strukturiert waren. Community Building, Council, Radikale Therapie aber auch DragonDreaming und Restorative Circles. Für unterschiedliche Zwecke gibt es schon einen Riesen Haufen von emanzipatorischen Werkzeugen, die mir und meinen Gruppen halfen, Vertrauen zu gewinnen und nächste Schritte allein und gemeinsam zu gehen.

Herzliche Grüße und eine lebendige Zeit!
Stefan Leisner

PS:  Für die philosophisch Interessierten meine derzeitigen Lieblingsbücher zum Thema Gemeinschaft.

  • Einführend: Rosa, Hartmut / Gertenbach, Lars  / Laux, Henning u.a.: Theorien der Gemeinschaft zur Einführung. Hamburg 2010.
  • Klassisch und hochaktuell: Plessner, Helmuth: Grenzen der Gemeinschaft. Frankfurt am Main 2002.
  • Impuls aus ital.-frz. Diskurs mit religiös-messianischem Gehalt: Agamben, Giorgio: Die kommende Gemeinschaft. Berlin 2003
  • Verständlich: Bauman, Zygmunt: Gemeinschaften. Auf der Suche nach Sicherheit in einer bedrohlichen Welt. Frankfurt am Main 2009
  • Übersicht bringend: Bauman, Zygmunt: Flüchtige Moderne. Frankfurt am Main 2003
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Mehrgenerationen – Gemeinschaftsbildung und Council im Eschwege Institut

Gerade einmal 15:33 und draußen dunkelt es. In einer halben Stunde wird die Sonne untergegangen sein. Die Zeit vergeht wie im Flug, die letzten Blätter hinter meinem Bürofenster fallen und ich möchte diese Gelegenheit nutzten, auf zwei Beriah-Erlebnisse zurück zu blicken.

Community Building mit mehreren Generationen

VIMG_0651or knapp vier Wochen begleitete ich mit Susanne Gierens aus Jahnishausen ein dreitägiges CB-Seminar eines Mehrgenerationenprojekts in Sachsen. Mich berührte das Aufeinandertreffen ganz unterschiedlicher Lebensrealitäten, -alter und -erfahrungen und ich konnte viele berührende Momente und Aha’s für mich und meine Kommune-Gruppe mitnehmen.

So habe ich noch einmal gesehen und gelernt, wie wichtig es ist, der Selbstoffenbarung Zeit zu geben. Nach dem Spruche: „Das Gras wächst nicht schneller, wenn mensch daran zieht.“ Und gleichzeitig war so deutlich, wie wichtig das Chaos, das Ziehen und Fordern für eine Gruppe sein kann. Wie wichtig die Rolle der Jungen und Ungestümen sowie der Bewahrer_innen in einer Gruppensituation sind. Als wären es unterschiedliche Anteile eines gemeinsamen Gruppentieres.

Und dann entstehen Situationen, in denen Klarheit über die eigene Gruppensituation aufblitzt. Durch das Sichtbarwerden eines ausgeblendeten, sehr wichtigen Details oder das Aussprechen einer unbequemen Wahrheit. Dann gibt es an mehreren Stellen ein Seufzen, ein Entspannen. Das Gruppentier hat geatmet.

IMG_0712Zu erforschen, wo eine Gruppe steht und was sie für die nächsten Schritte braucht, finde ich sehr spannend. Und es ist immer wieder beeindruckend für mich, wie viel Beziehung und Information bereits in der verbalen und nonverbalen Gruppenkommunikation sichtbar ist, wenn mensch frei dahin schauen kann. Das ist für Gruppenmitglieder freilich sehr schwer, sind sie ja die tragenden Stützen des Bestehenden und haben meist alle Hände voll zu tun.
Und daher sind die Situationen, in denen neue Menschen zur einer bestehenden Gruppe dazu stoßen, so aufregend und oft mit Herausforderungen beladen. Mir klingt noch Susannes Beitrag im Ohr, in dem sie zur Erforschung des Neuen einlud. Wie könnte eine Gruppe aufgestellt und in Beziehung sein, die wirklich offen ist für das Neue? Denn wenn neue Menschen oder Neues im Allgemeinen nachhaltig dazu kommen soll, braucht es meiner Meinung nach nicht nur eine Anpassung des Hinzukommenden sondern eine Anpassung des Gesamtsystems.

Und wieder hatte ich Freude über CB, denn es zeigte sich deutlich, dass der oft mühsame und selbst erlittene (!) Prozess die Chance der nachhaltigen Erkenntnis dieser Wichtigkeit unterschiedlicher Rollen für den Gruppenprozess birgt. Auch wenn es für die_den Einzelne_n in der konkreten Auseinandersetzung schwierig oder schmerzhaft ist: die eigene Erfahrung ist zumeist der beste Lehrmeister.

Council im Eschwege Institut

Council Redegegenstände

Gestaltete Mitte mit unterschiedlichen Redegegenständen.

Die selbst erlittene Erfahrung lag auch im Focus einer Weiterbildung im Eschwege Institut, die Johanna und ich im Oktober absolvierten. Council nutzt die Kraft persönlicher Geschichten, die auf selbst erlittener Erfahrung basieren. Vier Tage saßen wir mit Gesa Heiten und weiteren Menschen im Kreis und wiederentdeckten eine uralte Form der Kreiskultur. In einer Jurte teilten wir unsere Geschichten und lernten Runden mit Hilfe unterschiedlicher Council-Formaten zu begleiten. Council kann mit „Zu Rate sitzen“ übersetzt werden. Es geht darum, auf Augenhöhe im Kreis zu sitzen und nacheinander den Geschichten der Menschen aufmerksam zuzuhören. Zuhören und sinken lassen. Dazu helfen ein Redegegenstand, ein klarer Anfang sowie ein klares Ende, eine formulierte Frage sowie 4 Empfehlungen:

  1. Höre von Herzen
  2. Sprich von Herzen
  3. Sei spontan
  4. Sei wesentlich

Dieser übersichtliche, klar strukturierte Rahmen schaffte viel Sicherheit und ermöglichte sehr berührende Momente. Council erscheint uns niedrigschwellig und ideal für die Begleitung von Lebensübergängen. Wir haben große Lust, Council noch stärker in unsere Prozessbegleitung und Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu integrieren.

Zu Council kann ich einführend dieses Buch empfehlen: Der große Rat.

 

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BEcome Love und Netzwerktreffen NCB

BEcomelovefestivalDer Herbst drängt die Blätter von den Bäumen und ich will zwei Beriah – Stationen der letzten Monate erinnern.

BEcome Love Festival

Im September waren Johanna und ich beim BEcome Love Festival 2015 in Berlin. Dort wurde die Kraft und Bedeutung der Liebe zu erleben versucht und diskutiert. Interessant für mich der Versuch der Verflechtung der zwei Ebenen Gemeinschaft und Gesellschaft. Ich stehe jenen Versuchen, allein mit Liebe oder Gemeinschaft Welt zu erklären oder zu verbessern, kritisch gegenüber. Zu einfach erscheint mir dies, bereits bei Scott Pecks Ansätzen, gesellschaftliche Probleme über Community Building oder dessen Haltung verändern zu wollen.

Und dennoch finde ich es sehr mutig, jene Kluft zwischen Privatem und Öffentlichem, zwischen Gemeinschaft und Gesellschaft neu zu denken und (philosophisch) zu erforschen. Ein Freund Johannas, Dr. phil. Maik Hosang, ist Mitorganisator und hat uns eingeladen, einen CB-Workshop beim BEcome Love Festival anzubieten.

Er sagt:

„In meiner Habilitation, die ich um 1999 schrieb, erforschte ich, wie die menschliche Natur in Form uns angeborener Primäremotionen und die Kultur in Form von gesellschaftlichen Strukturen und Symbolen zusammenwirken. Dabei wurde mir deutlich, dass neben Angst, Macht etc. vor allem Liebe eine entscheidende biokulturelle Dimension menschlich-gesellschaftlicher Selbstorganisation ist. Und es zeigte sich dabei auch, dass eine ökologischere Zukunft der sich sonst tendenziell selbst zerstörenden Menschheit vor allem davon abhängen wird, ob eine neue Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft gelingt, in der die Liebe mehr als alle anderen unserer Emotionen kultiviert und entfaltet wird. Daher liegt es mir am Herzen, dafür etwas zu tun.“

 

Spannend, oder?

Ohne Antworten auf die obigen Fragen aber mit interessanten Impulsen und einem berührenden CB-Taster beschenkt, ging ich vom Festival. Anselm Grün und Gerald Hüther verpasste ich, doch einige interessante Menschen habe ich gehört und kennen gelernt. Andreas Weber sprach über das Pendeln zwischen Isolation und Symbiose und den Schmerz der Lebendigkeit. Prof. Dr. Eckehard Binas referierte über den Zusammenhang von Eigentum und Liebe, beginnend im Mittelater bis zum heutigen Spätkapitalismus. Eike Schwarz  aus Potsdam sprach über die Inititation und Liebesfähigkeit von Jugendlichen, Dolores Richter vom ZEGG war ebenfalls vertreten und diskutierte über intentionale Gemeinschaften und die gesellschaftliche Kraft der Liebe.

2. Netzwerktreffen Community Building in Europa 2015

Das Netzwerk - dieses Jahr in kleiner Runde.

Das Netzwerk – dieses Jahr in kleiner Runde.

Im September waren Johanna und ich beim Netzwerktreffen Community Building in Europa in Jahnishausen. Nach drei Tagen CB-Prozess tauschten wir uns über CB-Begleitungsfragen aus und erforschten CB-Kombinations- und Erweiterungsmöglichkeiten. Das nächste Netzwerktreffen findet vom 16-18 September 2016 statt! Unsere Internetseite ist nun aktualisiert und eine Karte von CB-Begleiter_innen und CB-Gruppen ist online.

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Was CB ermöglichen kann… Taster-Erfahrungsbericht

Gestern habe ich mit 10 Menschen einen sehr nährenden, beeindruckenden Taster-CB-Workshop im SEKIZ Potsdam erlebt. Die heterogene Gruppe näherte sich innerhalb des 3 Stunden Prozesses an, durchlief das Chaos und kostete nach meiner Wahrnahme am Ende ein Gefühl von Leere und authentischer Gemeinschaft.

Johanna und ich begleiteten sehr zurückhaltend und intervenierten bis auf 2 Ausnahmen ausschließlich nach der Pause. Dies ließ viel Raum für die Gruppe und ihren Prozess.
Die 10 Menschen schienen den Raum zwischen ihnen langsam zu erkunden und zu vermessen. Was ist das eigentlich hier? Was kann ich, was können wir tun und wagen? Warum bin ich hier? Und was steht zwischen mir und den Anderen? Was steht zwischen mir und der Gemeinschaft?
Jede_r ringte mit Problemen und Mustern, ob in sich gespürt oder in den anderen projeziert. In der Gruppe lernten die Teilnehmer_innen Schritt für Schritt, einander zuzuhören und zu spüren, wenn etwas Bedeutsames ausgedrückt wurde.

Es hat mich wieder einmal beeindruckt, wie CB Experimentierraum und Reflektionsraum zugleich ist und wie gesetzesgleich sich der Prozess mit sowenig Rahmen und Führung entspinnt. Jona beschrieb am Ende des Prozesses das Gefühl wie folgt: „Wenn ich denk, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“

Ich feiere diesen Taster, weil er mir zeigte, was möglich ist. Das stärkt mein Vertrauen in den Prozess, in mich und den Menschen.

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Focus: Gruppenbegleitung

Das erste Quartal 2015 liegt hinter uns. Was ist passiert?

Wir haben unseren Focus gesetzt.

Unser Hauptanliegen ist es jetzt, Gruppen, die gemeinsam arbeiten, wohnen oder leben, zu begleiten. Wir bieten weiterhin Community Building nach Scott Peck an, wollen nach und nach unser Werkzeugkoffer erweitern und neue Formate und Ansätze ausprobieren.

Der Focuswandel betrifft auch die offenen Seminare. Wir halten CB-Seminare für sinnvoll für die persönliche Entwicklung, wollen jedoch unser Augenmerk auf bestehende oder sich gründende Gruppen legen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Daher nehmen wir die offenen Seminare mit festen Terminen aus unserem Angebot heraus. Wir bieten jedoch die Möglichkeit an, dass sich Menschen vormerken lassen. Sobald genügend Teilnehmer_innen zusammen kommen, machen wir einen Terminvorschlag für ein Seminar.

Woran arbeiten wir gerade?

Wenn wir nicht Gruppen mit CB begleiten, beschäftigt sich Stefan im Moment praktisch und theoretisch mit Kreiskultur im Kontext der Jugend- und Erwachsenenbildung. Johanna arbeitet daran, ein Labor für Innovationen im Bildungsbereich aufzubauen.

 

 

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Erstes Netzwerktreffen 2015

Das erste Treffen des Netzwerk Community Building in Europa im Februar 2015 nutzten wir für einen intensiven, 4tägigen CB-Prozess. Wir haben zwei neue Mitglieder aufgenommen: Oliver Sachs und Bettina Zawadil.

Ersterer ist gerade dabei, ein Dokumentarfilm über Momo zu machen. Dazu gibt es hier ein Beitrag von Susanne und dort die Internetseite http://40jahremomo.de.

Ich freu mich auf die zukünftige Zusammenarbeit im Netzwerk!

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Erfahrungsbericht vom CB-Seminar für Menschen in Liebesbeziehung

Steinkreis in Milow

Milower Steinkreis am Ort des Seminars „Paarzeit Milow“

Vor einigen Monaten fand unser erstes CB Seminar speziell für Menschen in Liebesbeziehungen in Milow statt. Wir wollten Gemeinschaft bilden in einem Kreis von sich jeweils unbekannten sehr engen Beziehungskonstellationen. In diesem Beitrag berichte ich über meine Erfahrungen mit diesem speziellen Versuch des Community Building.

Dem Seminar für Menschen in Liebesbeziehungen gingen Beobachtungen von uns voraus. Wir haben fest gestellt, dass viele „Paare“ ihre Beziehungsthemen aus ihre Wohn-, Lebens-, Arbeits oder CB-Gruppe heraus halten. Vermutlich einerseits um die Gruppe nicht mit ihrer Angst (sich zuzumuten) zu „belasten“, und andererseits aus einem stillschweigendem Commitment heraus: „Darüber reden wir hier nicht“.

Nun ist Paarbildung in Gemeinschaftsbildungsseminaren tatsächlich ein schwieriges Thema. Scott Peck beschreibt Paarbildung neben Flucht in die Organisation, Kampf und Abhängigkeit, als einen Aufgaben-Vermeidungsmechanismus von Gruppen. (siehe auch diesen Blogbeitrag von Stefan)

Wenn sich einige Menschen im CB-Prozess verbünden und z.B. aktuelle Gefühle, Beschwerden nur miteinander teilen, dann verhindert dies ein Zusammenkommen der Gesamtgruppe. Dieses Phänomen ist meiner Meinung nach nicht nur eine Schwierigkeit von Menschen, die sich im gemeinschaftsbildenden Rahmen begegnen, sondern generell von bestehenden Gruppen und/oder intentionalen Gemeinschaften.Man könnte sagen, dass es ganz normal sei, dass sich Menschen mehr oder weniger aufeinander beziehen. Aber was bedeutet das letztlich für Gruppen oder Kollektive?

Kommunikationsempfehlung - Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus

Eine Kommunikationsempfehlung des CB-Prozesses.

In diesem Kontext spielt die Kommunikationsempfehlung „Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus!“ eine große Rolle. Liebesbeziehungen, ob sehr enge Freundschaften, Paare oder andere Konstellationen – laden einerseits dazu ein sich ausserhalb der Gruppe über Belange der Gruppe zu entleeren und andererseits Beziehungsthemen „für sich“ zu behalten. An dieser Stelle gehen Gruppen wertvolle Impulse verloren. Auch die so eng verwobenen Menschen bringen sich damit um das Wissen der Gemeinschaft. Und sie verwerfen die Möglichkeit, hilfreiche Spiegel zu bekommen oder sich in einem Kreis von mehreren Menschen zu entladen und damit auch die Beziehung zu entlasten.

Mit dem neuen Format „CB für Menschen in Liebesbeziehung“ woll(t)en wir das Thema „Paare und Gruppe“ setzten und auf die Spitze treiben.

Wir wissen aus unserer Beziehungserfahrung, wie hilfreich es sein kann mit den „Paarthemen“ im Kreis präsent zu sein und wie sehr sich unser Kommunikationsverhalten geändert hat, seit wir zusammen CB machen (oftmals auch zu zweit).

Das Seminar im November unterschied sich von den bisherigen CB-Seminaren. Der Rahmen war schnell sehr intim, es wurde viel geschwiegen. Alle waren mit ihren Beziehungsthemen präsent. Und es wurde deutlich, dass das offene Aussprechen und Ausdrücken dieser Themen viel Kraft kostete, gerade in einem offenen Prozess wie CB. Die Zeit und der Mut Einzelner öffnete schließlich den Raum. Die Paarthemen (Nähe, Kommuikation, Sexualität etc.) standen im Vordergrund und zunächst spielten sich die Paare jeweils die Bälle zu. Es dauerte lange, bis sich die Teilnehmer_innen trauten, ihre Irritationen mit den anderen Paaren oder Personen auszudrücken. Die eigene Liebesbeziehung nahm viel Raum ein.

Für die Paare schien es sehr wertvoll zu sein, sich viel Zeit zu nehmen, beieinander anzukommen, von sich zu sprechen versuchen, ehrlich zu sein. Es gab unglaublich berührende und erschütternde Momente – ein Sichtbarwerden, Hinschauen und Fallen lassen.

Es bestätigte sich die Herausforderung, sich als Paar in der Gruppe zu bewegen, andere in den intimen Kreis hineinzulassen, als Gemeinschaft zueinander zu finden. Auch für uns als BegleiterInnen stellte sich die Frage, ob dieser spezielle Rahmen andere Begleitung erfordert. Vielleicht eine stärkere Aufforderung zum Chaos in der ganzen Gruppe?

Deutlich wurde, wie viele Menschen Beziehungen und Beziehungsgrenzen heiligen. Und wie tief es in uns liegt, dass Beziehungen „Privat-“ Sache sind. Hier leidet jeder für sich allein – oder eben zu zweit. Das es von außen viel zu sagen gibt, das wir viel voneinander lernen können, das Gruppen Beziehungsysteme erleichtern – ist bei einigen Menschen schon im Kopf angekommen, bei den wenigsten im Gefühl und im Handeln.

Die schönschwierige Erfahrung dieses CB Prozesses hielt für viele – auch für uns BegleiterInnen – sehr viel zum Lernen bereit. Ich bin motiviert dieses Raum noch oft zu öffnen und freue mich auf weitere gemeinschaftsbildende Erfahrungen.

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Neu in 2015: kostenfreie CB-Taster im SEKIZ

SEKIZ Logo, Copyright liegt beim SEKIZ.Wir wollen CB bekannter machen und würden uns freuen, wenn in Potsdam weitere CB Gruppen entstehen würden. Darum bieten wir im Jahr 2015 jeden ersten Montag im Monat  von 19-22 Uhr einen kostenfreien CB-Taster im Potsdamer Selbsthilfe und Informationszentrum (SEKIZ) an. Wir werden erst kurz etwas zum Ansatz CB erzählen und dann praktisch CB ausprobieren.

Wir hoffen durch das Angebot an einem Ort wie dem SEKIZ Menschen unterschiedlicher Herkunft und verschiedenen Alters zu erreichen.

Wir freuen uns auf interessierte, neugierige Menschen.

Wir beginnen, wenn sich mindestens 6 Menschen angemeldet haben.

Anmeldung bitte per E-Mail oder per Telefon.

 

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Ursprünge von Scott Pecks Community Building

Der amerikanische Psychologe und Psychotherapeut Morgan Scott Peck hat vor über 30 Jahren den Ansatz Community Building entwickelt. Um CB zu erforschen und zu verbreiten, gründete er 1984 den FCE (The Foundation for Community Encouragement). In Deutschland wurde erst im neuen Jahrtausend das Netzwerk Community Building gegründet.

Zu dem Ursprung zurück: Welche Einflüsse wirkten auf Peck? In welchem Verhältnis steht CB zu anderen Ansätzen? Diese Frage finde ich sehr spannend. Denn sie könnte auch zeigen, an welchen Stellen CB Kind seiner Zeit und dementsprechend heute verändert oder erweitert werden sollte.

Einführend habe ich einige historische Schlaglichter auf die 60er bis in die 90ern bei Matthias zur Bonsen und Hans Jecklin gefunden:

In welchem Verhältnis steht Community Building zu anderen Ansätzen und Methoden? Schon seit Jahrzehnten wird schliesslich die Dynamik von Gruppen untersucht. In den fünfziger und sechziger Jahren sind die T-Groups des amerikanischen NTL (National Training Laboratories) und die Tavistock Groups des gleichnamigen Instituts in England auf viel Interesse gestossen. Es waren Vorahnungen dessen, was als Community Building viel später folgen sollte. Denn das Element der authentischen Kommunikation war teilweise auch bei ihnen vorhanden. Diese Methoden zielten allerdings nicht darauf ab, Gemeinschaft wie hier beschrieben, entstehen zu lassen. Weder der konzeptionelle Rahmen noch das methodische Rüstzeug waren damals vorhanden. Manchmal entstand allerdings Gemeinschaft auch in diesen Gruppen. Nicht selten bleib es jedoch bei Chaos und einer insgesamt unerfreulichen Erfahrung für die Teilnehmer. Kein Wunder, dass das Interesse abflaute. In die Realität von Unternehmen haben T- und Tavistock Groups nie in nennenswertem Umfang gefunden.

Mitte der Sechziger Jahre fasste Bruce Tuckman (4 ) seine Forschungen und die Erkenntnisse anderer in ein Phasenmodell zusammen: Forming, Storming, Norming und Performing sah er als die Stufen, die eine Gruppe auf der Leiter zu ihrer Leistungsfähigkeit erklettert. Sein Modell hat eine ganze Generation von Teamentwicklern beeinflusst. Forming und Storming haben unverkennbare Ähnlichkeiten mit Pseudogemeinschaft und Chaos. In der Phase des Norming wird (neben anderem) Feedback gegeben und werden Spielregeln vereinbart. Doch auch das ist nicht der Prozess des Leer-werdens, den es braucht, um Gemeinschaft wachsen zu lassen.

Als sich zu Beginn der Achtziger Jahre in den USA unter dem Eindruck des Paradigmenwechsels zu einem systemisch-evolutionären und ganzheitlich-spirituellen Weltbild die Organization Transformation-Bewegung zu formieren begann, entstanden auch neue Visionen davon, was ein Team und eine Organisation im besten Fall sein könnte. Die Methoden dazu fehlten zwar noch, doch was Peter Vaill (5) als High-Performing System beschrieb und andere (6) als Alignment und Attunement, enthält auch Gemeinschaft, wie sie in diesem Artikel verstanden wird.

Gegen Ende der Achtziger Jahre ist dann auch auf der methodischen Seite etwas geschehen, das interessante Parallelen zu Community Building aufweist. David Bohm, weltbekannter Quantenphysiker und Vordenker des holographischen Universums, entwickelte den Dialog. (7) Dialog strebt nicht den Aufbau von Gemeinschaft in der tiefen Form, so wie sie hier verstanden wird, an. Vielmehr geht es hier primär darum, einer Gruppe von Menschen, die unterschiedlichen Meinungen, Annahmen und vielleicht Weltsichten verhaftet sind, zu helfen, voneinander zu lernen und die Kreativität und Intelligenz der ganzen Gruppe zu steigern. Typischerweise würde eine solche Gruppe miteinander in Diskussion und nicht in Dialog treten. Das heisst, die Meinungen würden aufeinanderprallen, die Gemüter sich vielleicht sogar erhitzen, doch eine gegenseitige Bereicherung fände nicht statt. Der Schlüssel zu Dialog heisst „die eigenen Annahmen und Meinungen suspendieren“, also zeitweilig ausser Kraft setzen. Dann verteidigt man diese nicht mehr und hört andere Meinungen, ohne sie gleich zu beurteilen. Die Ähnlichkeiten zum Stadium des Leer-werdens beim Community Building sind unübersehbar. Nur dass ein noch umfassenderes Leer-werden verlangt wird, wenn Gemeinschaft entstehen soll. Im Prozess des Community Building sprechen die Menschen über sich selbst, beim Dialog kann es auch um eine Sache gehen. Nun, über „Sachen“ – und möglicherweise sehr konfliktäre – muss auch jede Gemeinschaft sprechen, die eine gemeinsame Aufgabe hat. Und dann ist Dialog mit seiner Intensität des Zuhörens und des Ernstnehmens anderer Meinungen zweifelsohne der richtige Gesprächsmodus.

Der ganze Artikel: http://www.all-in-one-spirit.de/lit/cb/cb01.htm

Jener Beitrag ist von zwei Menschen geschrieben, die CB in Unternehmen brachten. Dieses Unterfangen finde ich spannend aber auch sehr kritisch.

In einem späteren Beitrag werde ich die Ursprünge von CB sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu anderen Ansätzen weiter untersuchen.