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Erfahrungsbericht vom CB-Seminar für Menschen in Liebesbeziehung

Steinkreis in Milow

Milower Steinkreis am Ort des Seminars „Paarzeit Milow“

Vor einigen Monaten fand unser erstes CB Seminar speziell für Menschen in Liebesbeziehungen in Milow statt. Wir wollten Gemeinschaft bilden in einem Kreis von sich jeweils unbekannten sehr engen Beziehungskonstellationen. In diesem Beitrag berichte ich über meine Erfahrungen mit diesem speziellen Versuch des Community Building.

Dem Seminar für Menschen in Liebesbeziehungen gingen Beobachtungen von uns voraus. Wir haben fest gestellt, dass viele „Paare“ ihre Beziehungsthemen aus ihre Wohn-, Lebens-, Arbeits oder CB-Gruppe heraus halten. Vermutlich einerseits um die Gruppe nicht mit ihrer Angst (sich zuzumuten) zu „belasten“, und andererseits aus einem stillschweigendem Commitment heraus: „Darüber reden wir hier nicht“.

Nun ist Paarbildung in Gemeinschaftsbildungsseminaren tatsächlich ein schwieriges Thema. Scott Peck beschreibt Paarbildung neben Flucht in die Organisation, Kampf und Abhängigkeit, als einen Aufgaben-Vermeidungsmechanismus von Gruppen. (siehe auch diesen Blogbeitrag von Stefan)

Wenn sich einige Menschen im CB-Prozess verbünden und z.B. aktuelle Gefühle, Beschwerden nur miteinander teilen, dann verhindert dies ein Zusammenkommen der Gesamtgruppe. Dieses Phänomen ist meiner Meinung nach nicht nur eine Schwierigkeit von Menschen, die sich im gemeinschaftsbildenden Rahmen begegnen, sondern generell von bestehenden Gruppen und/oder intentionalen Gemeinschaften.Man könnte sagen, dass es ganz normal sei, dass sich Menschen mehr oder weniger aufeinander beziehen. Aber was bedeutet das letztlich für Gruppen oder Kollektive?

Kommunikationsempfehlung - Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus

Eine Kommunikationsempfehlung des CB-Prozesses.

In diesem Kontext spielt die Kommunikationsempfehlung „Drücke dein Missfallen in der Gruppe aus!“ eine große Rolle. Liebesbeziehungen, ob sehr enge Freundschaften, Paare oder andere Konstellationen – laden einerseits dazu ein sich ausserhalb der Gruppe über Belange der Gruppe zu entleeren und andererseits Beziehungsthemen „für sich“ zu behalten. An dieser Stelle gehen Gruppen wertvolle Impulse verloren. Auch die so eng verwobenen Menschen bringen sich damit um das Wissen der Gemeinschaft. Und sie verwerfen die Möglichkeit, hilfreiche Spiegel zu bekommen oder sich in einem Kreis von mehreren Menschen zu entladen und damit auch die Beziehung zu entlasten.

Mit dem neuen Format „CB für Menschen in Liebesbeziehung“ woll(t)en wir das Thema „Paare und Gruppe“ setzten und auf die Spitze treiben.

Wir wissen aus unserer Beziehungserfahrung, wie hilfreich es sein kann mit den „Paarthemen“ im Kreis präsent zu sein und wie sehr sich unser Kommunikationsverhalten geändert hat, seit wir zusammen CB machen (oftmals auch zu zweit).

Das Seminar im November unterschied sich von den bisherigen CB-Seminaren. Der Rahmen war schnell sehr intim, es wurde viel geschwiegen. Alle waren mit ihren Beziehungsthemen präsent. Und es wurde deutlich, dass das offene Aussprechen und Ausdrücken dieser Themen viel Kraft kostete, gerade in einem offenen Prozess wie CB. Die Zeit und der Mut Einzelner öffnete schließlich den Raum. Die Paarthemen (Nähe, Kommuikation, Sexualität etc.) standen im Vordergrund und zunächst spielten sich die Paare jeweils die Bälle zu. Es dauerte lange, bis sich die Teilnehmer_innen trauten, ihre Irritationen mit den anderen Paaren oder Personen auszudrücken. Die eigene Liebesbeziehung nahm viel Raum ein.

Für die Paare schien es sehr wertvoll zu sein, sich viel Zeit zu nehmen, beieinander anzukommen, von sich zu sprechen versuchen, ehrlich zu sein. Es gab unglaublich berührende und erschütternde Momente – ein Sichtbarwerden, Hinschauen und Fallen lassen.

Es bestätigte sich die Herausforderung, sich als Paar in der Gruppe zu bewegen, andere in den intimen Kreis hineinzulassen, als Gemeinschaft zueinander zu finden. Auch für uns als BegleiterInnen stellte sich die Frage, ob dieser spezielle Rahmen andere Begleitung erfordert. Vielleicht eine stärkere Aufforderung zum Chaos in der ganzen Gruppe?

Deutlich wurde, wie viele Menschen Beziehungen und Beziehungsgrenzen heiligen. Und wie tief es in uns liegt, dass Beziehungen „Privat-“ Sache sind. Hier leidet jeder für sich allein – oder eben zu zweit. Das es von außen viel zu sagen gibt, das wir viel voneinander lernen können, das Gruppen Beziehungsysteme erleichtern – ist bei einigen Menschen schon im Kopf angekommen, bei den wenigsten im Gefühl und im Handeln.

Die schönschwierige Erfahrung dieses CB Prozesses hielt für viele – auch für uns BegleiterInnen – sehr viel zum Lernen bereit. Ich bin motiviert dieses Raum noch oft zu öffnen und freue mich auf weitere gemeinschaftsbildende Erfahrungen.

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Erfahrungsbericht von Katharina

Nach einem gemeinsamen CB-Wochenende hielt Katharina ihre Erfahrungen und Erwartungen für uns fest:

„Reden über das, wie es mir in genau diesem Moment geht, stellte ich mir sehr einfach vor. Ein Wochenende lang mich selbst zum Thema machen – Phantastisch!, rief die Rampensau in mir.

Ich hatte keine Ahnung, dass es so schwer werden würde. Einschlafen, in Gedanken abschweifen, taub werdende Gliedmaßen, Tiere vor dem Panoramafenster… Es gab unendliche Möglichkeiten, sich dem Chaos zu entziehen, das anfangs herrschte und mich hoffnungslos stimmte, ob „Gemeinschaftsbildung“ überhaupt gemeinschaftsbildend sei. Denn: es kamen zwangsläufig Themen auf den Tisch, die Probleme verursachten. Wenn nicht bei mir, dann bei einem anderen. Und das oder das daran Anknüpfende MUSSTE mich irgendwann berühren. So läuft das: Du hast keine Chance, Dich zu entziehen.

Nach dem zweiten Block brauchte es von mir eine bewusste Entscheidung, weiter Teil zu nehmen, denn die Runde war zäh, quälend und konfrontativ. Nicht zum Aushalten und ganz weit entfernt von Nähe. Ich nahm Partei, ärgerte und schämte mich, erinnerte mich an längst vergessene Ängste. Noch immer weiß ich nicht, was zwischen uns passiert ist, wie sich alles wie von selbst wieder ordnete. Stunde um Stunde haben wir auf einander reagiert und Bezug genommen, haben gegenseitig persönliche Themen berührt, waren wütend und traurig über uns selbst oder die anderen. Haben uns tief blicken lassen. Fühlten uns nah und unendlich weit weg. Und immer wieder die Erkenntnis: es sind nicht die anderen, die meine Gefühle verursachen. Sie holen nur an die Oberfläche, was in mir schon verborgen lag.

Ein Teil von mir möchte den Erfolg dieses Wochenendes gerne an irgendeiner Theorie von Gemeinschaftsgefühlen messen und ein Siegel vergeben. Aber das wahre Leben kennt keine Siegel. Und genau so war’s: Ich habe geübt, mich zu spüren und zu zeigen. Ich habe geübt, andere zu spüren und zu sehen. Über die Nähe zu ihnen kam ich näher zu mir. Ich habe sie lieb gewonnen. Und das ist viel mehr, als die Rampensau erwartet hatte.“